Ein Bild in der Hand zu halten . . .

. . . war in analogen Zeiten der natürliche Abschluss des fotografischen Prozesses. Dem Vergnügen zu fotografieren waren aber quantitative Grenzen gesetzt, einerseits – durch einzelne, umständlich zu belichtende Filmblätter im Großformat oder durch Filmspulen mit max. 36 Aufnahmen im Kleinformat, andererseits – durch den dafür nötigen hohen Kostenaufwand.

Heute haben wir dank der unendlichen Kapazität der Speicherelemente praktisch keinen Beweggrund den Auslöser nicht zu drücken. Wer heute gerne fotografiert, häuft im Regelfall eine Fülle von Bildern an, welche kaum überschaubar am Speicherplatz der unterschiedlichen Geräte abgelegt werden. Deren Touchscreens verleiten dazu, sie bei Bedarf rasch durchzublättern, wobei die Betrachtung freilich an der Oberfläche bleibt, und so manches schöne Bild in der Masse aller anderen Bilddateien einfach untergeht.

Der andere Weg in der fotografischen Arbeit

Porträt Wolfgang mit Fachkamera

Auch Wolfgang arbeitet heute in digitaler Technik, doch von schnell und kaum überschaubar ist da keine Rede:

Seine Kamera zwingt zum Innehalten, zur Auswahl ausgesuchter Motive, fordert sorgfältige Bildkomposition, und verlangt den zeitaufwendigen Einsatz aller fotografisch-technischen Möglichkeiten. Sollte ein, unter diesen aufwendigen Bedingungen entstandenes Bild denn wirklich nur als eines unter vielen anderen am Speicherplatz eines digitalen Gerätes verbleiben?

„Es macht für mich keinen Unterschied, ob ein Bild analog auf Film belichtet, und danach in der Dunkelkammer auf Papier ausgearbeitet wird, oder ob der Sensor der digitalen Kamera eine Bilddatei aufzeichnet, die danach am Rechner in Bildpunkte umgerechnet und mit Pigmentfarben gedruckt wird. In beiden Fällen ist für mich die fotografische Arbeit erst dann beendet, wenn nach der Aufnahme noch ein zweiter Schritt erfolgt und ich ein Papierbild in der Hand halten oder an der Wand betrachten kann. Wenn am Papierbild dann auch die ursprüngliche Bildidee sichtbar wird, die mich bewegt hat eine bestimmte Szene zu fotografieren, – erst dann schließt sich der Kreis, ist der fotografische Prozess für mich abgeschlossen.“

Wolfgang Mayerhoffer

Als Wolfgang 2007 nach langer Abstinenz wieder in die – mittlerweile digitale – Fotografie einsteigt, kommt auch der erste Drucker ins Haus. Die anfänglichen Ergebnisse sind ziemlich ernüchternd und offenbaren schonungslos, wie behutsam und vorsichtig die Bildentwicklung am Monitor in Vorbereitung auf den Druckprozess ablaufen muss.

Ein humorvolles Zitat von Charles Cramer uneitel an die Wand geklebt, spendet Trost und ermuntert zugleich, nicht aufzugeben:

„An image on a monitor looks good almost all the time! That same image printed RARELY looks good. Yet, when the image is adjusted to look good as a print . . . it STILL looks good on the monitor!“
Charles Cramer

Viel Lehrgeld wird investiert, aber die Mühe lohnt sich. Allmählich wird die Qualität der unzähligen Probedrucke merklich besser. Ein Workshop bei Joe Cornish, in dem es eine Woche lang ausschließlich um Optimierung im Fine Art Print geht, macht Mut den eingeschlagenen Weg fortzusetzen.

Joe Cornish

Joe Cornish

Eine Entscheidung mit Folgen

Der Entschluss im Jahr 2013, fortan ausschließlich im Großformat zu arbeiten, zieht erhebliche Weiterungen in unserem Zuhause. Ein Raum, der bis dahin als unser Büro Verwendung gefunden hat, muss teilweise ausgeräumt und so umgebaut werden, dass ein EPSON Drucker der neuesten Generation, an Größe und Gewicht einem Piano gleich, Platz findet. Zahlreiche tiefe Regale werden montiert um Stauraum für die Papierrollen zu schaffen.

In der Mitte des Raumes werden zwei Arbeitstische eingerichtet mit freien Ablagefächern für fertig gedruckte Bilder, oben drauf zwei große Arbeitsflächen. Hier werden die bis zu einer Bildbreite von 110 cm großen Drucke weiterverarbeitet. Was auf Grund der Größe nicht mehr hinter Glas gelegt werden kann, wird mit maßgefertigten Schattenfugenrahmen aus Holz fertiggestellt, wobei wir den Druck auswärts bei Sepp Puchner im Fotografiezentrum Weinberg auf Alu Dibond aufkaschieren.

Gemeinsam mit Christa Romana Scharf wurden im Herbst 2014 auf Schloss Ennsegg Fotografien zum Thema Landschaften – Wandschaften präsentiert. Im Rahmen dieser Ausstellung konnte eine Auswahl großformatiger Bilder aus dem Salzkammergut gezeigt werden.

Im Festsaal auf Schloss Ennsegg werden Landschaftsbilder aus dem Salzkammergut im Großformat auf Alu Dibond präsentiert.

FOTO: SEPP OBERRADER

Die großzügigen Arbeitsflächen dienen auch dazu, Passepartouts für kleinere Formate anzufertigen, sowie unterschiedliche Probedrucke für längere Zeit liegen zu lassen und immer wieder mal zu vergleichen. Eine am Plafond des Raumes eigens eingerichtete Galerie mit Tageslichtlampen ermöglicht die genaue Begutachtung des Farbspektrums unter neutralen Lichtverhältnissen. Es hat sich als absolut notwendig erwiesen, Probedrucke mit zeitlichem Abstand zur Druckfertigung zu vergleichen. Nur so lässt sich erkennen, wo noch der eine oder andere Schritt in der Druckvorbereitung am Bildschirm nötig ist, um auch die Bildidee sichtbar zu machen.

Was ist denn da so schwierig daran?

Zur Einschätzung der Druckarbeit ist es wesentlich zu verstehen, dass die Tätigkeit nicht die korrekte Abfolge der Mausklicks umfasst, die den programmierten Ablauf des Druckers in Gang setzen.
Der zeitliche Aufwand und die ungeheure Mühe bestehen vielmehr darin, die Vorbereitungsarbeit am Monitor so zu leisten, dass ein nahtloser Übergang gefunden wird vom strahlend imponierenden Durchlichtbild am Schirm zum Licht reflektierenden Pigmentdruck auf Papier.
Nach der Aufnahme als erstem Schritt zielt die Druckvorbereitung als zweiter Schritt also letztlich darauf hin, aus dem digitalen Negativ (der RAW-Datei) ein ansprechendes, ausgewogenes Bild zu entwickeln, mit einem natürlichen Farbspektrum und einer harmonischen Verteilung von Hell und Dunkel, so wie es eben das menschliche Auge vor Ort in der Natur wahrnehmen würde. Im Idealfall wäre auch die Bildidee des Fotografen für den Betrachter zu erkennen.

Einer der größten Landschaftsfotografen findet dafür einen Vergleich aus der Welt der Musik, wie er treffender nicht sein könnte:

„The negative is the equivalent of the composer´s score, and the print is the performance.“
(das Filmnegativ entspricht der Partitur, der Druck ist die Aufführung)
Ansel Adams

Liegt das gedruckte Bild dann in seiner endgültigen Größe auf dem Tisch, wird es von Hand signiert und erhält – bei limitierter Auflage – seine Werkzahl.
Je nach Größe wird es auf Alu Dibond aufkaschiert und mit einem Schattenfugenrahmen versehen, oder mit einem Passepartout hinter Glas gelegt, konservatorisch gerahmt und in Museumsqualität versiegelt.

Auf der Bildrückseite wird ein Impressum angebracht, das den Bildtitel, technische Angaben zur Aufnahme, und eine detaillierte Beschreibung zum Druck, zur Verarbeitung und zur Rahmung enthält. Zuletzt wird eine solide Aufhängevorrichtung befestigt, die eine sichere Hängung gewährleistet, wenn das Bild seinen endgültigen Platz an einer Wand gefunden hat.

„Die Industrie bietet heute für den Fine Art Print säurefreie, archivfeste Baumwollbüttenpapiere an, die zusammen mit den modernen Pigmentdruckern eine echte Revolution im fotografischen Schaffensprozess darstellen.
Als einem Fotografen unserer Zeit, der sich nicht damit begnügen will, sein Bild als eines unter vielen abzuspeichern, ist mir damit ein Handwerkszeug in die Hand gegeben, von dem die Generationen des analogen Zeitalters nur träumen konnten.“

Wolfgang Mayerhoffer