Schottland im Winter. Noch können wir dort am Nordwesteck unseres Kontinents die Natur in einsamer, unberührter Schönheit finden, gebeutelt von Sturmtiefs, die einander die Küste entlangjagen, gepeinigt von Graupelschauern und bald darauf getröstet von Sonnenstrahlen, die binnen weniger Minuten alle Wetterunbill vergessen lassen.

Natur – wahrlich zum Niederknien!

Highlands, Loch Meadie mit Ben Loyal


Im Winter zieht es uns ganz einfach dorthin. Kein Tourismus, das Leben auf Sparflamme, sechzehn Stunden Dunkelheit, friedliche Einsamkeit.
Die Natur allein bestimmt den Tagesablauf.

Stille, unbeachtete Winkel muss man nicht erst suchen, sie sind überall – wie hier, bei Ebbe, am Strand von Balnakeil.


Isle of Harris (Outer Hebrides)
Scarista Beach


Isle of Skye (Inner Hebrides)
Old Man of Storr

Highlands, Rannoch Moor

ausgerechnet Schottland?

Mit dem ersten Urlaub auf Skye im Jänner 2013 hat uns die schottische Landschaft in ihren Bann gezogen. Wir können nicht anders, sie lässt uns nicht mehr los. Völlig unverständlich für jene, die ihr wärmendes Heil in einer Thermenregion oder gar in der fernen Karibik suchen. Es ist wirklich zum Lachen, ich getraue mich auf diese Frage zu wetten:

Ihr wollt nach Schottland – im Winter – bei dem Wetter?

Wasserfotografie im Glen of Orchy. Ein nasser Balanceakt und eine Herausforderung für  den Fotografen und seine Ausrüstung.

 

Zugegeben, es stimmt schon – zimperlich darf man nicht sein. Oft ist es nass, die Temperatur liegt nur wenig über Null, und der Wind, meist in Sturmstärke, macht die Sache ziemlich ungemütlich. Die Wetterküche nimmt keine Rücksicht auf schlechte Ausrüstung, und wenn Sand oder Graupelkörner waagrecht kommen, erübrigt sich jede weitere fotografische Ambition.

Aber wenn, wenn endlich, wenn dann endlich der Sturm nachlässt, und ein Wolkenfenster den Weg freigibt für die zur Winterzeit stets tiefstehende Sonne, dann brechen die Sonnenstrahlen direkt – oder indirekt über Wolkenbänke reflektiert auf diese manchmal so rauh und abweisend scheinende Landschaft herein und tauchen sie in warmes, heimeliges, manchmal auch gleißendes Licht, das einem schier den Atem nimmt. Das Meer, die endlosen Sandstrände mit den grasbedeckten Dünen, die Felsklüfte, die Hochmoore mit den zahlreichen Lochs – und über allem die schneebedeckten Gipfel der Highlands entfalten sodann ein berückendes Farbenspiel in einem Glanz, welcher mit Worten nicht mehr zu beschreiben ist.

Schottland – eine fotografische Herausforderung

„Die Landschaftsfotografie ist Malerei für mich. Mein Pinsel ist das direkte oder das reflektierte Sonnenlicht, der Himmel – ob dunkel oder strahlend blau, bewölkt oder bedeckt – ist meine Farbpalette, feinst schattiert durch Luftfeuchtigkeit, Temperatur und Tageszeit. Die Farbtöne meiner Palette sind niemals dieselben. Wo und wann auch immer ich mein fotografisches Bild male, in der Natur gleicht kein Moment dem anderen.

Hier in Schottland wird das Spiel mit dem Licht überdies zum Wettlauf mit der Zeit und der eigenen Geduld. Daran teilnehmen darf nur, wer es versteht, seine Sinne zu schärfen und die Farbpalette vorherzusehen.“

Wolfgang Mayerhoffer

Wer auch immer da am Himmel nach Lust und Laune die Kulissen schiebt – er lässt keine Nachsicht walten mit Fotografen die viel Zeit brauchen, um ihre Kamera in Position zu bringen. Die Lichtverhältnisse hier im hohen Norden ändern sich eben rasend schnell. Es kommt immer wieder vor, dass Wolfgang den passenden Standpunkt gefunden, die Komposition überlegt, das richtige Objektiv gewählt, die Schärfe eingestellt, und den Filter angebracht hat – aber der Augenblick des verzaubernden Lichts ist vorbei. Zu schade, er war einfach nicht schnell genug.

Hole in the SkyFreilich – das Spiel mit dem Licht kann auch einen überraschend anderen Verlauf nehmen.

Wie hier – ein trüber Nachmittag an der Westküste von Harris. Der Atlantik ist wild, treibt die Flutwellen gegen die Felsen, der Himmel verfinstert sich zunehmend, ist fast schwarz. Genug für heute, uns ist kalt, wir beschließen zusammen zu packen, es wird ja doch nichts mehr.

Da reißt der Starkwind völlig unerwartet ein Wolkenfenster auf, und lässt die untergehende Sonne noch einmal aufleuchten.

Es ist dieses wunderbare Licht, welches uns immer wieder nach Schottland fahren lässt . . .