Ein Bild – von der Fertigung zur Präsentation

Wolfgang hat die Einladung bekommen, den Kunstkalender der Oberösterreichischen Versicherung AG für das Jahr 2018 mit Landschaftsporträts aus dem Salzkammergut zu gestalten, und die ausgewählten Fotografien im Rahmen der Präsentation des Kalenders als großformatige Bilder auszustellen.

Eine große Herausforderung, der er sich mit Freude und Engagement stellt, mit dem besonderen Anliegen, in seinen Aufnahmen die unbekannte und stille Schönheit der Region festzuhalten, abseits der klassischen Motive allseits bekannter, typischer Postkartenansichten.

Es braucht Zeit – viel Zeit . . .

Der erste Schritt ist es, die dreizehn Bilder auszudrucken und ruhen zu lassen, bevor sie weiter verarbeitet werden können. Da Pigmentdrucke viel Feuchtigkeit aufs Papier bringen braucht es lange, bis sie vollkommen trocken sind. Hinzu kommt, dass das Baumwollpapier, welches für den Druck der großformatigen Bilder Verwendung findet, von der Rolle kommt, daher muss die ausgeprägte, natürliche Krümmung erst einwandfrei ausliegen, bevor das Bild mit einer freien Hängung im Passepartout angebracht werden kann.

Sobald die Druckarbeit erledigt ist, und die Bilder danach einige Wochen flach ausgebreitet im Regal verbracht haben, heißt es für uns – die Ärmel hochkrempeln und an die Arbeit :

Ein Bild entsteht – Schritt für Schritt . . .
 

An der linken Vorderseite werden ein Prägestempel gesetzt und die Werkzahl ( limited edition ) vermerkt, rechts unten wird das Bild signiert.
Auf der Rückseite erhält das Bild sein Hologramm, das es – mit einem identen Hologramm auf dem Echtheitszertifikat – unverwechselbar macht.

KM_20171015_0876Sorgfältig wird das Passepartout geschnitten.

Der schwere Schneidkopf schafft auch dicken Karton.
Aber – 3 mm im Schrägschnitt glatt zu schneiden, ist nicht ganz einfach – es braucht viel Kraft und absolut gleichmäßigen Druck über die gesamte Kantenlänge.

Wehe, das Messer gleitet über den berechneten Eckpunkt hinaus, wehe, der Öffnungswinkel gerät nicht exakt bei 90°. Dann ist alles hin, das Material unbrauchbar und es heißt, noch einmal von vorne zu beginnen.
Ehrlich gestanden, Wolfgang hat lange geübt, um auch den Schnitt der Ecken fehlerlos zu meistern.

Der sichtbare Karton der Vorderseite, und der Karton für die Rückwand sind unterschiedlich hart, und – wie alle anderen, von uns verwendeten Archivierungsmaterialien, nach dem strengen P.A.T. (Photographic Activity Test) Verfahren zertifiziert.

KM_20171007_0683 Passepartoutrahmen und Rückwand werden miteinander verklebt. Nach einigen Stunden ist die Klebekante absolut abgetrocknet, dann wird das Bild eingelegt. Damit nichts verrutschen kann, wird stets mit Bleigewichten und dicken Büchern beschwert.

Jetzt ist die letzte Gelegenheit, die Position des Bildes im Passepartout zu korrigieren.

Wenn alles passt, wird das Bild mittels T-Hängung fixiert und der Kompressor tritt in Aktion. Bild und Karton werden säuberlich abgeblasen, auf dass auch nicht das kleinste Staubflankerl zwischen Druck und Passepartout zurückbleiben kann.

KM_20171007_8599Danach wird das Passepartout zugeklappt, alles wird mit Seidenpapier großzügig abgedeckt und beiseite gelegt – denn jetzt folgt als nächster Arbeitsschritt

eine wirkliche Herausforderung :
die Glasplatte

Sie muss absolut sauber sein, das Ergebnis duldet keinen Kompromiss. Schon das Herauftragen der Glasplatten vom Schuppen, wohin sie von der Glaserei geliefert und auf einer eigens dafür gebauten Holzschräge abgestellt wurden, ist nichts für schwache Nerven – erst recht nicht das Auflegen einer einzelnen hauchdünnen Glasplatte auf den Werktisch.

Als ich das erste Mal beobachte, wie sehr sich so eine Glasscheibe beim Aufheben biegt, bleibt mir glatt die Luft weg. Ein Maß von 90 cm x 110 cm – nur 2 mm stark, aber ziemlich schwer. Der geneigte Leser möge mir verzeihen, dass es vom Transport der Glasplatte keine Fotodokumentation gibt, ich habe mich einfach nicht getraut, die Kamera in die Hand zu nehmen . . .

Mein Respektabstand kommt auch nicht von ungefähr, nur allzu schnell passiert ein Malheur : die ersten zwei Platten überstehen den Transport in den ersten Stock unbeschadet, die dritte Glasplatte bekommt beim Auflegen zu viel Spannung und zerspringt mit einem geradezu übersinnlichen Geklirr in unzählige feinste Splitter. Nachdem wir den Scherbenhaufen beseitigt haben geben wir auf – an diesem Abend mögen wir keine Glasplatten mehr anfassen – aber das ist eine andere Geschichte . . .

KM_20171102_0974Wirklich kaum zu glauben, wie viel Staub, Fingerabdrücke, Schlieren, Flankerl und sonstige Verunreinigungen auf einer Glasplatte zu finden sind, die von einer Glaserei ab Werk geliefert wird. Auch als Fensterputz-routinierte Hausfrau brauche ich eine gefühlte Ewigkeit, bis das entspiegelte Glas – klar wie unsichtbar – seinem Namen alle Ehre macht. Mit Hilfe von Streiflicht, das auch die kleinsten Tapser sichtbar werden lässt, und dem stets auf seinen Einsatz lauernden Kompressor habe ich das Glas dann endlich soweit fertig. Ein letztes Mal wird es abgeblasen, dann wird es auf dem, im Passepartout eingehängten Bild aufgelegt. Alle Kanten werden sauber übereinander eingerichtet, mit Klammern fixiert, und danach werden die Passepartout Rückwand und das Glas mit einem speziellen Klebeband verbunden.

Somit ist das Bild staubfrei versiegelt.

Die eigentliche Rahmung kann beginnen . . .

Ich hätte niemals vermutet, wie viel Nachdenken gefordert ist bei der Entscheidungsfindung für einen Bilderrahmen.

Soll der Rahmen – vorn vorne betrachtet – einen starken, selbstbewussten Akzent setzen, oder eher nur eine schmale Begrenzung sein? Soll er – in die Tiefe betrachtet – das Bild hervortreten und sich von der Wand abheben lassen, oder eher mit knappem Maß dafür sorgen, dass es sich an die Wand schmiegen kann? Welches Material – in welcher Farbe – in welcher Fasson – soll Verwendung finden, die reiche Palette von traditionell über klassisch-zeitlos bis zu modern ist nahezu unüberschaubar.

In all diesen Überlegungen nicht daneben zu greifen erscheint uns wirklich als Herausforderung, wollen wir dem Ideal möglichst nahe kommen, dass die Bildgröße – Inhalt, Idee und Komposition des Bildes – die Vielfalt der Farben und ihre Leuchtkraft – sich mit dem Rahmen zu einem harmonischen Ganzen fügen.

Für Wolfgangs Landschaftsbilder, die uns in feiner Zeichnung mit ihren wunderbaren Farben die Natur vor Augen führen wollen, haben wir uns für einen nach unseren Maßvorgaben handgefertigten, schlichten Rahmen aus heimischem Nussholz entschieden, gediegen und doch zierlich im Aussehen, zart im Profil, veredelt nur durch einen behutsamen Auftrag von natürlichem Wachs.

 

Zunächst wird der Holzrahmen vorbereitet. Die Innenseite wird mit einem Aluminium Tape nahtlos abgeklebt. Damit ist für den Bildkörper eine zusätzliche Isolierschicht gegeben gegen die, im Holz des Rahmens enthaltenen Lignine.

Danach wird der Rahmen von vorne aufgesetzt. Für die Rückwand des Bildes wird eine feste Platte zurecht geschnitten, die sich passgenau in den überstehenden Holzrahmen einfügt. Mit einem speziellen Gerät wird diese sodann an vorher berechneten Stellen des Rahmens befestigt.

Abschließend wird rundum ein Band angebracht, um die Befestigungsklammern abzudecken und die Rückwand mit dem Holzrahmen endgültig zu versiegeln.

In einem letzten Arbeitsgang wird das Impressum aufgerollt, das neben dem Titel und dem Autor alle wichtigen Informationen zur Entstehung der Aufnahme enthält, und welches auch Auskunft gibt über Auflage, Druck und Rahmung.

Wenn dann auch die Aufhängevorrichtung angeschraubt ist, und die Abstandhalter geklebt sind, dürfen wir uns zu Recht freuen:

Das Bild ist fertig!


Heute ist es so weit . . .

Heute, am 08. November 2017 ist es so weit : Die Oberösterreichische Versicherung AG stellt im Rahmen einer Vernissage die Bilder des Kunstkalenders für das kommende Jahr vor.

Festlich geschmückt erwartet das KEINE SORGEN ATRIUM in Linz die feierliche Präsentation der zwölf Monatsbilder und des Titelbildes des neuen Kalenders. Jedes einzelne Bild hat seinen Platz auf einer hochgestellten Staffelei gefunden, die chronologische Reihung lädt die zahlreichen Gäste ein zu einem Rundgang durch die Jahreszeiten.

Deutlich zu spüren ist die freudige Überraschung der Besucher, dass hier eine Serie von Fotografien zu sehen ist, welche sich von den üblichen Ansichten des Salzkammergutes deutlich unterscheiden. Es sind Aufnahmen aus ungewohnter Perspektive, mit teils sehr intimen Landschaftsmotiven – mit stillen, unbemerkten Winkeln und kaum beachteten Details.

In seiner Begrüßungsansprache hebt Generaldirektor Dr. Josef Stockinger ein Anliegen hervor, dem sich die OÖ Versicherung im Besonderen verpflichtet fühlt:

“ Mit unserem traditionellen Kunstkalender wollen wir immer auch ein Stück unseres Landes und seiner Kultur abbilden.“
GD Dr. Josef Stockinger

Mit den Landschaftsbildern des Kalenders 2018 würde nun jenes Stück unseres Landes abgebildet, welches zu den bekanntesten gehört. Das Salzkammergut ist wohl eine der am meisten fotografierten Regionen Österreichs.

KM_20171108_1054Allerdings – mit dem Auftrag an Wolfgang Mayerhoffer zur bildnerischen Gestaltung des neuen Jahreskalenders der Oberösterreichischen Versicherung sei auch ein eindringlicher Wunsch verbunden gewesen :

Eine Sammlung von Aufnahmen zusammen zu stellen, die uns dazu verführen, das Salzkammergut mit einem besonderen Blick zu betrachten.

Bilder zu schaffen, welche die Region von ihrer anderen, unbekannten Seite zeigen, auf dass sie der Natur und ihrer stillen Schönheit die Reverenz erweisen mögen.

Horst Küblböck-Lausegger, der Leiter der OÖ Fotogalerie und Obmann der Fotografischen Gesellschaft OÖ spricht in seiner Würdigung von einer großen Überraschung. Er sei ehrlich erstaunt gewesen von der unglaublichen Dreidimensionalität, die Wolfgangs Bilder ausstrahlen und hätte nicht gedacht, dass das Hochformat so wunderbar für die Landschaftsdarstellung geeignet wäre – sind doch Aufnahmen dieses Genres traditionellerweise im Querformat angelegt. Die überragende Tiefenwirkung im Bild läge einerseits wohl darin begründet, dass der Vordergrund vortrefflich in die Bildkomposition eingebunden werden kann, andererseits sei die, in die Tiefe des Raumes gelegte Schärfeebene dafür verantwortlich, dass sich der Betrachter ins Bild geradezu hineingezogen fühlt.

Zusätzlich unterstützt würde die Tiefenwirkung noch durch die hohe Auflösung der Großformatkamera, welche feinste Nuancen ermöglicht und damit die Voraussetzungen schafft für einen stufenlosen Farbverlauf.

„Lassen Sie uns das Titelbild genauer anschauen : Selbst wenn ich nur einen Bildausschnitt sehe, eigentlich habe ich das Gefühl ich stehe am Ufer, und der ganze See liegt mir zu Füßen.“
Horst Küblböck-Lausegger

Der Laudator spricht auch sehr offen die Inhaltsebene der ausgewählten Fotografien an und begrüßt ausdrücklich das ehrliche Anliegen des Fotografen, uns – die wir in Oberösterreich zu Hause sind – in ungewöhnlicher Perspektive und Komposition ganz einfach nur die Schönheit der Landschaft des Salzkammergutes vor Augen zu führen.

Diese Bilder mögen sehr wohl als Bekenntnis zur Heimat verstanden werden.
Aber ohne jene inhaltschweren, oft negativ belastenden Botschaften, welche die Landschaftsfotografie im vorigen Jahrhundert ideologisch gerne vereinnahmen wollten und damit an ihr unverkennbare Spuren bitteren Nachgeschmacks hinterließen.

Zum Ausklang seiner Laudatio hebt Horst Küblböck-Lausegger noch mit großer Wertschätzung Wolfgangs enorm aufwendiges, sehr individuelles Verständnis der fotografischen Arbeit hervor, nach welchem der kreative Schaffensprozess nicht mit dem Drücken des Auslösers oder der Entwicklung der Fotografie abschließt, sondern erst dann vollendet ist, wenn das selbst gedruckte, eigenhändig gerahmte, und wohl präsentierte Bild dem Betrachter das Gefühl gibt, er wäre im Moment der Aufnahme vor Ort mit dabei gewesen.

Ich freue mich sehr, dass meinem Mann an diesem Abend mit so viel Anerkennung begegnet wird. Es ist für ihn die Bestätigung, auf dem richtigen Weg zu sein und zugleich Aufforderung, seine fotografische Arbeit mutig fortzusetzen.